Auf ins neue Jahr
Hallo,
2026 hat rasant Fahrt aufgenommen – auf internationaler Bühne haben die USA mit ihrem Eingriff in Venezuela die regelbasierte Weltordnung ad acta gelegt, und Russland nutzt den Winter gezielt als Waffe gegen die Ukrainer*innen.
Die Manöver von Donald Trump indes hören nicht auf. Wohl auch, um von den Epstein-Files abzulenken, die in vielerlei Hinsicht verstörend sind. Die darin geschilderten Taten sind grauenhaft. Mein Mitgefühl gilt den Opfern, den Mädchen und Frauen. Gleichzeitig erschüttert mich das dahinterliegende Netzwerk – und das oft brutale Schweigen dazu, auch aus Deutschland. Schweigen heißt Zustimmung und darf keine Option sein.
Fast banal erscheint daneben auf den ersten Blick, was uns hier in Berlin beschäftigt: die inzwischen vierte Eis- und Schneewelle bei einem überforderten Winterdienst. Rutschende Mitmenschen, gebrochene Knochen, Einsamkeit, Immobilität – all das sind ganz konkrete Folgen davon, dass der Senat es nicht schafft, Verkehrs- und Gehwege zügig und verlässlich zu räumen. Selten hat es ein Winter so leicht gemacht, aus Fehlern zu lernen und es besser zu machen: Vier Anläufe hätte es gegeben.
Zu Beginn des Jahres kam der großflächige Stromausfall im Süden Berlins hinzu. Umso beeindruckender war die Solidarität: Auch viele Pankower*innen haben geholfen – etwa die Pankower Ortsgruppe des Technischen Hilfswerks (THW) oder die Ahmadiyya-Gemeinde, bei der ich kürzlich auf ihrem Neujahrsempfang als Ehrengast ein Grußwort gehalten habe. Dieses Engagement macht Mut. Genau deshalb lade ich an diesem Freitag zu einer Diskussion ein: Wie gut ist Pankow eigentlich auf Krisen vorbereitet?
Neben den akuten Krisen und Debatten prägten meinen politischen Alltag im Januar ganz unterschiedliche Termine und Begegnungen. Hier eine Auswahl:
Kartoffeln essen gegen Lebensmittelverschwendung: Wegen der reichen Kartoffelernte ist ein Betrieb tonnenweise Kartoffeln nicht los geworden. Mit unserem Kreisverband Pankow habe ich mitgeholfen, die Knollen zu verteilen.
Grüne Woche: Keine Parteiveranstaltung, sondern die Messe der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Der Input ist enorm wichtig für meine Arbeit im Umweltausschuss. Auch für meinen Antrag für ein neues Bodenschutzgesetz habe ich mir zuvor viele Expertenmeinungen eingeholt.
Robert-Havemann-Gesellschaft: Ich habe mich mit dem Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Frank Ebert, und der Robert-Havemann-Gesellschaft getroffen und über die Errichtung des “Forum für Opposition und Widerstand” gesprochen.
Bei meiner Arbeit im Bundestag stand vor allem ein Thema im Vordergrund: die unsichtbaren Kosten für Umwelt und Gesundheit durch unseren Modekonsum. Denn jede Sekunde wird eine Lastwagenladung Textilien entsorgt oder verbrannt. Um es einfach zu sagen: Fast Fashion ist ein Fail.
Im Bundestag habe ich zu einem Fachgespräch eingeladen und mich mit Dutzenden Expert*innen vernetzt.
Zu einem digitalen Event mit der Influencerin @wasteless_hero schalteten rund 100 Interessierte zu.
Auf der Fashion Week haben mir Designer gezeigt, wie Mode auch nachhaltig hergestellt werden kann.
Die Textil-Krise macht sich auch in Berlin bemerkbar: Kleidercontainer quillen über und Sammelstellen werden überflutet mit unbrauchbaren Kleidungsstücken. Im Textilhafen der Berliner Stadtmission habe ich mir davon ein Bild gemacht. Die Berliner Morgenpost hat darüber berichtet (Paywall).
Und die Bundesregierung? Statt Antworten auf die großen Herausforderungen unserer Zeit zu geben, scheint sie zu testen, wie weit ein sozialer Kahlschlag öffentlich tragbar ist.
Die Rücknahme der Turboeinbürgerung, die Debatte um Krankschreibungen per Telefon und angeblich „zu viele“ Krankentage, das Schlechtreden von Teilzeit als „Lifestyle-Problem“ oder die schleichende Einschränkung von Zahnarztleistungen – all das sind Maßnahmen und Narrative, die am Kern vorbeigehen. Sie lösen weder die Probleme einer schwächelnden Wirtschaft noch stärken sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Im Gegenteil: Sie verunsichern, spalten und schieben Verantwortung auf diejenigen, die unser Land tagtäglich am Laufen halten.
Gerade in einer Krisen-Zeit brauchen wir Politik, die investiert, statt kürzt, die Vertrauen schafft, statt Misstrauen sät, und die soziale Sicherheit als Standortfaktor begreift – nicht als Belastung. Alles andere gefährdet den Zusammenhalt unserer Gesellschaft und verschärft die Spannungen, die wir ohnehin schon spüren.
Wie sehen Sie das? Schreiben Sie mir unter julia.schneider@bundestag.de
Ich wünsche Ihnen gute Gesundheit, Stabilität auf dem Glatteis und ein optimistisches 2026,
Julia Schneider