Auf dem Neujahrsempfang der Khadija Moschee habe ich als Ehrengast an unsere Einheit in der Vielfalt erinnert - und dass diese Vielfalt leider immer stärker unter Beschuss gerät.
Deshalb bin ich froh, dass unter anderem mit Oda Hassepass, Raed Saleh und Elif Eralp die Berliner Politik vertreten war und gemeinsam mit mir ein Zeichen dafür gesetzt haben, dass Berlin bunt ist und bunt bleibt.
Auf YouTube könnt Ihr Euch meine komplette Rede anschauen.
Transkript
Vielen Dank lieber Scharjil.
Liebe Gäste, liebe Imame, liebe Gemeinde,
Vielen herzlichen Dank, dass ich heute hier sein darf. Danke für die herzliche Gastfreundschaft, die ich hier immer wieder und auch heute Abend erleben darf. Wir sind in der Khadija-Moschee, der ersten und bislang einzigen Minarettmoschee in Ostdeutschland.
Und ja, der Weg hierher war nicht einfach, aber umso lohnenswerter.
Ich freue mich sehr, Sie heute hier als direkt gewählte Abgeordnete für diesen Wahlkreis, für Pankow, begrüßen zu dürfen.
Zuallererst möchte ich natürlich Danke sagen. Danke für alles, was Sie als Gemeinde für Pankow tun, was ihr tut. Wir haben schon viel davon gehört. Und manches wird sich jetzt wiederholen, aber das ist normal bei einem Rückblick.
Vielen Dank im Namen natürlich von ganz Berlin. Ihr Engagement macht diese Stadt vielfältiger, lebendiger, lebenswerter.
Und ja, so ein Neujahrsempfang ist immer ein Rückblick. Und später natürlich folgt ein Blick nach vorn. Das hast du ja schon eingeleitet.
Im letzten Jahr, wie gerade eben erwähnt wurde, habe ich zum Tag der Deutschen Einheit ein Video gepostet, um darauf aufmerksam zu machen, dass diese Gemeinde auch ein Teil von Deutschland ist und ein Teil der Vielfalt, die am Tag der Deutschen Einheit aus meiner Sicht zelebriert wird.
Da habe ich ziemlich viel Gegenwind bekommen und gemerkt, dass manche Dinge, die mir selbstverständlich erschienen, wohl nicht selbstverständlich sind und wir sie immer wieder laut aussprechen müssen. Deswegen bin ich sehr froh, dass ich zum Tag der offenen Moschee eingeladen habe, damit ich auch diese Lehre daraus ziehen konnte.
Insgesamt ist im letzten Jahr der Umgang rauer geworden.
Ich erinnere mich an die Bundestagsdebatten zum Thema Familiennachzug und daran, wie dieser dann zurückgenommen wurde.
Ich erinnere mich an die Stadtbilddebatte, an die sich sehr viele erinnern. Es gab viele Gespräche dazu. Hier im Wahlkreis haben Menschen unter Tränen geschildert, was diese Debatte mit ihnen gemacht hat – mit ihrem Sicherheitsgefühl und ihrem Zugehörigkeitsgefühl.
Und ehrlich gesagt, ich schäme mich dafür, dass wir diese Debatte hatten.
Und ich bin froh, dass hier so viele, auch von uns aus der Politik, da sind, um zu widersprechen und deutlich zu widersprechen.
Solche Aussagen wirken nach.
Was aber auch nachwirkt und in die Zukunft trägt und was mich ehrlich gesagt jeden Tag motiviert, ist die Zuversicht und die Hoffnung, die wir mit Widerspruch geben können.
Und auch die Hoffnung, die ihr hier als Gemeinde gebt.
Ihr zeigt, wie Nächstenliebe und Solidarität funktionieren können. Ihr pflanzt Bäume. Am ersten Tag eines jeden Jahres gibt es einen Neujahrsputz, bei dem auch alle mitmachen können.
Und kürzlich beim Stromausfall im Berliner Südwesten habt ihr warme Getränke und Essen verteilt, Zuversicht gegeben.
Vielen, vielen herzlichen Dank dafür. Vielen Dank dafür, dass Sie Vorbilder sind.
Und ja, ich wünschte, manch andere würden Sie als Vorbilder nehmen. Diese Zeile hatte ich auch in meiner Rede – scheint ein geteilter Wunsch zu sein.
Ich habe mich sehr gefreut, Scharjil, dass du in deiner Einladung auch betont hast – und es wurde heute auch schon gesagt –, dass dieses Jahr wieder ein besonderes Jahr ist. 2026 stehen die Wahlen in Berlin an, und da geht es auch darum, wie die Berliner Politik vorwärtsgeht.
Natürlich wünsche ich mir eine solidarische, progressive, vorwärtsgewandte Politik. Es sind aber auch Landtagswahlen in Baden-Württemberg, in Rheinland-Pfalz, in Sachsen-Anhalt und in Mecklenburg-Vorpommern.
Und deswegen ist es umso wertvoller, dass diese Gemeinde überall Räume zum Austausch schafft, zum Gespräch einlädt. Denn wir brauchen eine starke Zivilgesellschaft, und die Zivilgesellschaft braucht Räume.
Die Zivilgesellschaft will sich einmischen. Und verantwortungsvoll zu diskutieren und Demokratie mit Leben zu füllen, braucht es eben diese Orte des Austauschs. Und die Khadija-Gemeinde erlebe ich als einen Ort, der gesellschaftliche Debatte zulässt, Diskurs nicht scheut – ja, wir haben hier diskutiert – und sich nicht wegdreht, auch wenn es unbequem wird.
Deswegen noch einmal vielen herzlichen Dank für Ihre Arbeit, für die Unterstützung, für die Ideen und auch für diesen Abend.
Ich freue mich darauf, in diesem Jahr gemeinsam mit euch und mit Ihnen die Vielfalt Pankows zu leben und weiter zu verteidigen. Schon heute Abend lassen Sie uns alle gemeinsam zuversichtlich, respektvoll und mit Neugier ins neue Jahr gehen, denn ich bin überzeugt: Wer Gutes sät, der wird auch Gutes zurückbekommen.
Ich wünsche uns allen einen schönen Abend.