Zu wenig Ambition im neuen Textilgesetz – Chance für echte Kreislaufwirtschaft verpasst

Das heute veröffentlichte Eckpunktepapier von Bundesumweltminister Carsten Schneider für ein neues Textilgesetz sendet ein enttäuschendes Signal: Es fehlt an der notwendigen Ambition, um die strukturellen Probleme der Textilindustrie wirksam anzugehen.

Ein Blick auf die Realität zeigt die Dringlichkeit: Überquellende Altkleidercontainer sind längst kein Einzelfall mehr. Sie sind Ausdruck eines Systems, das auf schnelle Produktion und kurzen Konsum ausgelegt ist. Kleidung wird oft nur wenige Male getragen, bevor sie entsorgt wird. Dieses „Fast Fashion“-Modell führt zu enormen Mengen an Textilabfällen – mit erheblichen ökologischen und sozialen Folgen.

Ein neues Textilgesetz hätte die Chance geboten, hier grundlegend umzusteuern. Doch der vorliegende Entwurf konzentriert sich vor allem auf die Finanzierung von Sammlung und Verwertung – also auf die Bewältigung der Folgen. Was fehlt, ist ein klarer Fokus auf Abfallvermeidung und echte Kreislaufwirtschaft.

Für eine nachhaltige Transformation des Textilsektors braucht es mehr:

-Verbindliche Wiederverwendungsquoten, um die Lebensdauer von Kleidung deutlich zu verlängern

-Finanzielle Anreize für langlebige und schadstoffarme Textilien, die Qualität statt Wegwerfmentalität fördern

-Ökodesign-Vorgaben, die Reparierbarkeit und den Einsatz sortenreiner Materialien von Anfang an sicherstellen

Das Ziel muss klar sein: Kleidung darf nicht länger als Wegwerfprodukt behandelt werden. Sie muss im Kreislauf bleiben – durch Wiederverwendung, Weitergabe und Reparatur.

Dafür braucht es politischen Mut und deutlich höhere Ambitionen, als sie der aktuelle Vorschlag erkennen lässt.

Für Fragen, Anmerkungen oder den Austausch stehe ich gerne zur Verfügung:
julia.schneider@bundestag.de