Wald vor Feuer schützen – präventiv und effektiv

von Julia Schneider, Dr. Julia Verlinden, Niklas Wagener und Leon Eckert

Der Wald ist ein unverzichtbarer Lebens- und Arbeitsraum, Klimaschützer und Erholungsort. Doch Hitze, Dürre und menschliche Brandstiftung lassen die Gefahr von Waldbränden drastisch steigen. Das Waldbrandrisiko hat sich laut einer aktuellen Studie weltweit fast verdreifacht. Auch in Deutschland wird das Waldbrandrisiko in den kommenden Jahren dramatisch steigen.

Laut Daten des DWD haben sich die Tage mit hoher Waldbrandgefahr (Stufe 4 von 5) seit den 1960er Jahren mittlerweile fast verdoppelt - mit drastischen Folgen für Klima und Umwelt sowie akuter Gefahr für Menschen und Ortschaften. Fachleute sehen Deutschland noch zu wenig auf dieses wachsende Risiko vorbereitet. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) informiert bereits seit 1. März dieses Jahres täglich über die aktuelle Waldbrandgefahr.

Im Juli brannten im Müritz-Nationalpark (Mecklenburg-Vorpommern) 400 Hektar Wald und aktuell lodert ein Waldbrand am Lackenberg bei Unterwössen (Bayern). In Spanien und Frankreich mussten aufgrund verheerender Waldbrände Ende Juli rund 300.000 Menschen evakuiert werden, ein Großbrand bedrohte sogar die Metropole Bordeaux.

Wir fordern daher:

  • Erarbeitung einer nationalen Feuermanagementstrategie: Durch einen ganzheitlichen Ansatz setzt sie nicht erst bei der Brandbekämpfung an, sondern umfasst neben Risikoanalyse, Prävention und Einsatzvorbereitung auch Nachsorge und die Wiederherstellung verbrannter Flächen. Dabei sollen die Ergebnisse und Empfehlungen der Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Nationaler Waldbrandschutz“ berücksichtigt und in die Strategie eingebunden werden.
  • Neue Technologien für Früherkennung und Brandbekämpfung: Mit Drohnen und Satellitenbildern können Brände schnell identifiziert, mit Spezialflugzeugen und Löschpanzern schnell bekämpft werden. Für Forschung und Beratung in diesem Bereich muss die Bundesregierung einen praxisorientieren “Waldklimafonds 2.0” aufsetzen.
  • Schneller und besser Löschen: Löschen aus der Luft kann sehr effektiv sein. Deshalb begrüßen wir, dass im Rahmen des europäischen Waldbrandrisikomanagements neue Löschflugzeuge und Löschhubschrauber angeschafft werden. Bei Kerosin-Engpässen sollten Löschflugzeuge über ausreichend Reserven verfügen und im Notfall priorisiert werden. Wir fordern mehr Mittel für die Waldbrand- und Vegetationsbrandbekämpfung durch die Länder und Kommunen sowie deutschlandweite Standards für Hilfeleistungseinheiten. Feuerwehren, das Technische Hilfswerk (THW), Bundeswehr und Rettungskräfte müssen darüber hinaus mit einer an die neuen Anforderungen angepassten Ausrüstung ausgestattet werden , damit Feuerwehrmänner und -frauen bei ihren oft gefährlichen Einsätzen bestmöglich geschützt sind. Die Kombination aus extremer Hitzebelastung und langen Einsatzzeiten stellt Einsatzkräfte bei Waldbränden vor besondere körperliche Herausforderungen. Eine leichte, für diese Bedingungen entwickelte Schutzausrüstung ist daher unverzichtbar.
  • Lücken bei der Feuerwehrstatistik schließen: Es braucht endlich eine aussagekräftige, bundesweit einheitliche Feuerwehrstatistik, die Einsatzarten, Einsatzgründe und Schadensbilder sowie vorhandene Mittel wie Fahrzeuge und Spezialausrüstung nach einheitlichen Standards erfasst. Die bisherige Waldbrandstatistik liefert aufgrund uneinheitlicher Erfassungs- und Meldeverfahren nur eingeschränkt belastbare Aussagen zur Entwicklung der Waldbrandeinsätze.
  • Stärkung und Ausbau des vorsorgenden Waldbrandschutzes. Dazu zählen:
    • Wälder umbauen: Um leicht brennbare Monokulturen mit Fichten- und Kiefernwäldern zu artenreichen, naturnahen Laubmischwäldern zu entwickeln, fordern wir zusätzliche 50 Millionen Euro pro Jahr für ein Waldentwicklungsprogramm. Laubmischwälder können Brände und extreme Wetterereignisse besser überstehen. Wenn sie naturnah und klimaangepasst bewirtschaftet sind und Wasser speichern, schützen sie sich selbst.
    • Den Wald widerstandsfähig machen: Zudem brauchen wir vielfältigere und naturnahe Wälder, die mit Hitze und Trockenheit klarkommen und Wasser besser speichern. Dafür fordern wir ein klares Bekenntnis von Bundesagrarminister Alois Rainer zur Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) und eine Aufstockung der GAK-Mittel für klimaangepasste Aufforstung, naturnahe Waldentwicklung und Waldbrandpräventionsmaßnahmen.
    • Mehr Wasser im Wald: Trockene Böden brennen schneller und speichern weniger CO2 – und mit sinkendem Grundwasser fallen Waldteiche und Flachbrunnen als Löschwasserquellen aus. Wasserrückhalt in der Fläche ist die erste und günstigste Löschwasserinfrastruktur: Darum müssen wir Wälder, Moore und Auen wiederherstellen, Entwässerungsgräben im Wald zurückbauen und mehr Versickerung wie Rückhalt in der Landschaft fördern. Mit dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) existiert dafür das passende Instrument. Wir fordern, das Aktionsprogramm zu verstetigen und auszubauen – wie es auch der „Wissenschaftliche Beirat für Natürlichen Klimaschutz“ des BMUKN empfiehlt.
    • Weidetierhaltung fördern: Studien zeigen, dass Weidetiere die Ausbreitung von Boden- und Flurbränden bremsen, indem sie leicht entflammbare Vegetation abweiden und so die Ausbreitung von Feuer erschweren. Wir fordern daher endlich die Einführung einer bundesweiten, verbindlichen Weideprämie als Ökoregelung noch in der laufenden Förderperiode der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik,wie seit 2024 im GAP-Direktzahlungen-Gesetz verankert.
    • Besser aufklären: Da rund 90 Prozent der Waldbrände durch Menschen verursacht werden, bietet die Aufklärung großes Potenzial. Kreative, leicht zugängliche und alltagsnahe Angebote – etwa in der Waldpädagogik, bei Veranstaltungen vor Ort oder über moderne Kommunikationsformate – können dazu beitragen, Risiken zu reduzieren und das individuelle Verantwortungsbewusstsein für den Wald zu stärken.
  • Munition in Wäldern bergen: Effektiv gelöscht werden kann nur, wenn keine Sprengsätze explodieren. Blindgänger sind zudem ein Sicherheitsrisiko für Menschen und Einsatzkräfte. Durch die Korrosion der Kampfmittelreste werden Böden und Gewässer mit Schadstoffen belastet. Allein deshalb fordern wir, endlich die übrigen Munitionsaltlasten aus den Wäldern zu entfernen. Besonders profitieren würden davon die Wälder in Ostdeutschland; in Brandenburg steht zum Beispiel ein Drittel der Waldfläche unter Kampfmittelverdacht. Der Haushaltstitel “Nationaler Bodenschutz” muss mindestens auf dem aktuellen Niveau in Höhe von 7 Millionen Euro pro Jahr verstetigt werden, damit die Länder eine zuverlässige Unterstützung vom Bund erhalten. Die Bundesregierung hingegen plant, diese Mittel in 2027 komplett zu streichen.
  • Besser zusammenarbeiten: Der Austausch und die Koordination zwischen den europäischen Ländern sowie die Unterstützung von internationalen Einsatzkräften müssen im Rahmen des europäischen Katastrophenschutzmechanismus vertieft werden. Auch interdisziplinär fordern wir gemeinsame Pläne zur Prävention und Bekämpfung von Waldbränden von Katastrophenschutzbehörden und Ministerien, Forstwirtschaft und Umweltverbänden.

Hintergrund

Der Wald ist für viele Menschen in Deutschland ein besonderer Ort. Dort gehen wir spazieren, wandern, machen Sport oder suchen Ruhe vom hektischen Alltag. Viele verbinden mit dem Wald schöne Erinnerungen aus ihrer Kindheit oder Ausflüge mit Familie und Freunden. Doch dieser vertraute Ort ist in Gefahr. Immer öfter brennt es in unseren Wäldern. Lange Trockenzeiten und heiße Sommer machen den Bäumen und dem Boden zu schaffen, regelmäßig begehen Menschen Brandstiftung. Laut einer Studie des Fachmagazin Science Advances besteht an 30 Tagen pro Jahr ein hohes Risiko für Waldbrände in mehreren Regionen der Welt gleichzeitig.

Im Jahr 2022 wurden in Deutschland fast 4.300 Hektar Wald durch Brände zerstört, was mehr als 3.000 Fußballfeldern entspricht. Das entspricht allein in diesem Jahr wirtschaftlichen Schäden von ca. 30-40 Millionen Euro. Zählt man die ökologischen Folgen dazu, sind die Schäden zu groß, um sie zu schätzen. Denn der Wald ist unser wichtigster Partner im Kampf gegen die Klimakrise: Wälder speichern CO2, kühlen die Luft und helfen, dass Wasser in der Natur zu halten. Diese Aufgaben sind besonders wichtig, weil es immer öfter sehr heiß und trocken wird. Wenn ein Wald brennt, werden diese Aufgaben nicht mehr erfüllt. Ebenso verlieren viele Tiere und Pflanzen ihren Lebensraum.

In der Bundesrepublik Deutschland sind die Bundesländer zuständig für den Katastrophenschutz, also auch für die Bekämpfung von Vegetationsbränden. Eine angepasste Ausstattung und Ausbildungskonzepte liegen also in der Aufgabe der Länder. Der Bund kann durch Katastrophenhilfe seine eigenen Krisenbewältigungsressourcen in die Bewältigung von Katastrophen einbringen und durch eine koordinierende Funktion die Zusammenarbeit zwischen Bundesländern erleichtern. Naturnahe Wälder brennen deutlich seltener. Häufig brennen sogenannte Risikoflächen – etwa ehemalige Truppenübungsplätze mit alter Munition oder Bereiche entlang technischer Infrastrukturen. Am besten schützen wir Wälder vor Feuer, indem wir sie konsequent in Laubmischwald umwandeln. Laubmischwälder brauchen seltener „Brandschutzstreifen“. Deshalb haben wir Grüne im Bundestag 2021 in enger Zusammenarbeit mit Städten, Verbänden und Waldbesitzern das Förderprogramm „Klimaangepasstes Waldmanagement“ gestartet. Dafür haben wir 900 Millionen Euro bereitgestellt. Damit schützen wir 1,6 Millionen Hektar Wald – das sind 21 % der privaten und kommunalen Wälder. So sorgen wir dafür, dass der Wald gesund bleibt, Wasser speichert und weiter existiert.

Waldbrände sind aber inzwischen nicht nur ein Problem für Natur und Wirtschaft. Sie betreffen auch Menschen direkt und werden zu einer Gefahr für Leib und Leben, ihren Besitz und ihren Alltag. Denn sie gefährden ganze Orte und zerstören Infrastruktur, wie Straßen und Stromleitungen. Für die Einsatzkräfte, wie die Feuerwehr, sind Waldbrände schwer zu bekämpfen – besonders in Gebieten mit alten Waffenresten, wo Löscharbeiten kaum möglich sind. Darüber hinaus ist der Wald ein Ort, an dem viele Menschen in Deutschland arbeiten, sich erholen oder Kraft tanken. Durch seine Zerstörung verliert die Gesellschaft einen Ort, der allen gut tut. Die vergangenen Jahre waren weltweit ein Weckruf. Sie haben uns gezeigt, wie zerstörerisch und existenziell die Klimakrise ist: für die Natur und für Menschen, die im Wald arbeiten und von ihm leben. Nur, wenn wir es wieder schaffen, unsere Wälder gesund und feucht zu halten, können wir die Jobs für zahlreiche Menschen erhalten und gleichzeitig Wälder in widerstandsfähige, naturnahe Lebensräume umwandeln.

Da die Ursachen so vielfältig und die Folgen so drastisch sind, brauchen wir eine gute Zusammenarbeit, klare Regeln und neue Strukturen, um Waldbränden besser zu verhindern.