PM: „Hier sieht man die Folgen von Fast Fashion.”

PM: „Hier sieht man die Folgen von Fast Fashion.”

Der Textilhafen der Berliner Stadtmission kämpft mit einer Flut unbrauchbarer Kleiderspenden. Einsame Socken, löchrige T-Shirts, kaputte Reißverschlüsse, Sommerkleidung im Winter. Viele Spenden müssen deswegen entsorgt oder gelagert werden. Kostenpunkt: mehr als 100.000 Euro pro Jahr.  

Die Berliner Bundestagsabgeordnete Julia Schneider, direkt gewählt im Wahlbezirk Pankow, hat den Textilhafen besucht, um sich vor Ort ein Bild zu machen.  

“Am Textilhafen sieht man die Folgen von linearer Textilwirtschaft. Weltweit werden Unmengen qualitativ minderwertiger Textilien hergestellt und landen am Ende auch hier. Viele gespendete Kleidungsstücke sind in so schlechtem Zustand, dass sie nicht weitergegeben werden können. Dadurch entstehen enorme Müllmengen. Schuld sind aber nicht die Bürger*innen, sondern das System. Die Textilproduktion muss endlich reguliert werden. Hier ist die Bundesregierung jetzt am Zug und muss die Kreislaufwirtschaft für Textilien fördern. Dazu müssen Hersteller zur Verantwortung gezogen werden, indem sie sich an den Kosten beteiligen.  

Umweltzerstörung und Ressourcenverschwendung sind nicht zum Null-Tarif zu haben. Das muss die Bundesregierung im Gesetz zur Erweiterten Herstellerverantwortung verankern.  Dafür setze ich mich im Bundestag ein.”  

Barbara Breuer, Pressesprecherin der Berliner Stadtmission ergänzt:  

“In den vergangenen Jahren ist die Qualität der Kleiderspenden an die Berliner Stadtmission rapide gesunken. Das hat vor allem damit zu tun, dass Menschen immer mehr Fast Fashion kaufen. Wenn sie diese dann aussortieren und spenden, können die Kleidungsstücke wegen ihrer minderwertigen Qualität nicht mehr an obdachlose Menschen weitergegeben werden. Die Kosten dafür, diesen textilen Müll zu transportieren, zu sortieren und letztendlich zu entsorgen, trägt dann die Berliner Stadtmission. Wir begrüßen es sehr, dass Frau Schneider dieses Problem erkennt und sich für eine Lösung einsetzt.  

Wir freuen uns, wenn Menschen uns ihre gut erhaltene, saubere Kleidung zur direkten Weitergabe an obdachlose Menschen spenden. Wer das nicht kann, darf gerne Geldspenden vorbeibringen, damit wir davon neue Kleidung für obdachlose Menschen kaufen können wie Socken und Unterwäsche.“ 

Hintergrund 

Seit Oktober 2025 gilt EU-weit: Textilhersteller und -händler (auch Online-Plattformen aus Drittstaaten) müssen für Sammlung, Sortierung und Recycling ihrer Kleidung bezahlen. Das nennt sich „erweiterte Herstellerverantwortung“. Rechtsgrundlage ist die Richtlinie (EU) 2008/98/EG über Abfälle (Abfallrahmenrichtlinie), geändert durch Richtlinie (EU) 2025/1892 (in Kraft seit 16. Oktober 2025).  

Die Umsetzung in Deutschland muss bis 2028 erfolgen. Die Beiträge können höher ausfallen, wenn Kleidung besonders kurzlebig ist, kaum repariert werden kann, Fast- oder Ultra-Fast-Fashion-Praktiken genutzt werden. Die Richtlinie erlaubt ausdrücklich, diese Beiträge so auszugestalten, dass Fast- und Ultra-Fast-Fashion-Praktiken stärker belastet werden. So ist es beispielsweise schon in Frankreich umgesetzt worden. 

Kontakt: 

Steffen Meyer 

Öffentlichkeitsarbeit für MdB Julia Schneider 

Julia.schneider.ma05@bundestag.de