Ostdeutschland als Spiegel der Zukunft – mit lächelndem Gesicht, wenn wir wollen.
Die AG Ost der bündnisgrünen Bundestagsfraktion hat ein Papier entwickelt: „Ostdeutschland als Spiegel der Zukunft". Gemeinsam mit Katrin Göring-Eckardt, Steffi Lemke, Andrea Lübcke, Claudia Müller, Paula Piechotta, Michael Kellner und Kassem Taher Saleh habe ich daran gearbeitet. Uns acht ostdeutsche Abgeordnete eint die Überzeugung, dass wir in der Debatte über Ostdeutschland viel zu oft von Defiziten sprechen und viel zu selten von Stärken.
Neben Energiewende, Forschung, Fachkräfte, Umweltschutz, ländlicher Raum ist mir ein Punkt besonders wichtig, der mich seit Jahren antreibt: Ostdeutsche sind in Führungspositionen bis heute massiv unterrepräsentiert – sogar in Ostdeutschland. Laut Elitenmonitor der Ostbeauftragten 2024 liegt ihr Anteil in Führungspositionen bei 12,1 Prozent, bei einem Bevölkerungsanteil von knapp 20 Prozent. In DAX-Vorständen und unter Bundeswehrgenerälen: quasi null.
Die Förderung von Studierenden im Osten ist noch viel zu gering: Es gibt zu wenige Stiftungen in Ostdeutschland und wegen der fehlenden Nähe zu Eliten fehlt vielen einfach der Zugang: Sie bewerben sich nicht. (Auch die hohe Zahl von Schulabbrecher:innen ist erschreckend.)
Wir fordern ein „Begabtenförderwerk Ost", in Größenordnung und Ausstattung vergleichbar mit dem Bayerischen Elitenetzwerk und finanziert gemeinsam von Bund und Ländern. Statt einer Quote fordern wir eine anteilige Regelung zur bevorzugten Einstellung von „Landeskindern" in Führungspositionen in Bundeseinrichtungen, mit Ausnahme der Wissenschaft, wo Exzellenz und freie Auswahlverfahren gelten müssen.
Unsere Forderungen zielen sehr konkret darauf, dass etwa ein junger Mensch aus Marzahn-Hellersdorf denselben Zugang zu Netzwerken, Mentoring und Sichtbarkeit hat wie ein junger Mensch aus Stuttgart. 36 Jahre nach der Wiedervereinigung sollte das kein Luxus sein. Es ist eine Frage von gleichen Chancen.