Kürzung der Psychotherapie-Vergütung: Die Bundesregierung schaut weg

In den letzten Wochen haben sich viele Psychotherapeut:innen aus Pankow bei mir gemeldet. Sie sind besorgt – und das zu Recht. 

Zum 1. April hat der Erweiterte Bewertungsausschuss die Vergütung für psychotherapeutische Leistungen um 4,5 Prozent gesenkt. Das trifft Psychotherapeut:innen, die ohnehin schon unter wirtschaftlichem Druck stehen. Es trifft Patient:innen, die monatelang auf einen Therapieplatz warten. Und es sendet ein verheerendes Signal: Psychische Gesundheit ist der Bundesregierung offenbar nicht so viel wert. 

Wir können das Ergebnis dieser Kommission nicht direkt beeinflussen, da Honorarvereinbarungen der Selbstverwaltung obliegen – und damit Honorare nicht Spielball der Politik werden, ist das auch richtig. 

Dennoch hat meine Fraktion die Bundesregierung direkt gefragt, ob sie aus diesem Beschluss Handlungsbedarf ableitet und ob sie endlich die längst überfällige Reform der psychotherapeutischen Bedarfsplanung angehen will. Die Antwort: Nein. Es seien keine strukturellen Reformen geplant. 

Das lässt mich nicht kalt. Wir erleben gerade, wie psychische Erkrankungen zunehmen – besonders bei Kindern und Jugendlichen. Wir wissen, dass die Kürzung einen Beruf trifft, in dem überwiegend Frauen arbeiten – und eine Versorgung, die überwiegend Frauen in Anspruch nehmen. Wir wissen, dass die Versorgungslücken wachsen. Und die Regierung plant: nichts. 

Was wir Bündnisgrünen fordern 

Deshalb hat die grüne Bundestagsfraktion den Eilantrag „Psychotherapeutische Versorgung strukturell stärken“ (Drucksache 21/4954) in den Bundestag eingebracht. Wir fordern darin:

  • Eine Reform der Bedarfsplanung, die sich am tatsächlichen Bedarf orientiert – nicht an veralteten Zahlen. 
  • Eine eigene Bedarfsplanung für Kinder und Jugendliche. Denn sie können keine langen Wege zurückzulegen und brauchen Angebote vor Ort, die auch mit Schule und Kita vernetzt sind. 
  • Angleichung der Versorgung in Stadt und Land. Denn ländliche Regionen verfügen über nur halb so viele Angebote wie städtische – und das ist schlicht nicht hinnehmbar. 
  • Bessere Zugänge für Menschen mit schweren und chronischen psychischen Erkrankungen in die ambulante Versorgung. 
  • Eine gesicherte Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung. 

Wer in einer psychischen Krise ist, kann nicht warten 

Die Suizidzahlen steigen. Wartezeiten von Monaten sind für viele Menschen keine theoretische Unannehmlichkeit, sondern eine echte Gefahr. Dass ausgerechnet jetzt an der Vergütung gekürzt wird, ist mehr als ein falsches Signal. Es ist eine Entscheidung, deren Folgen Menschen, die gesetzlich krankenversichert sind, noch stärker zu spüren bekommen werden. 

Ich werde weiter Druck machen. Und wenn Sie mir erzählen möchten, wie die Lage in Ihrer Praxis konkret aussieht, höre ich gerne zu.

Melden Sie sich dann gern für einen Gesprächstermin: julia.schneider@bundestag.de