Weil die Freie Walddorfschule im Prenzlauer Berg ein echtes Vorzeigeprojekt für Klimaanpassung in Pankow ist, habe ich mir vor Ort ein Bild gemacht:
Früher war der Schulhof fast vollständig asphaltiert. Bei Starkregen entstanden große Pfützen, das Regenwasser konnte kaum versickern. Durch das Engagement des Kollegiums sowie der Eltern und Kinder wurde das Gelände in den vergangenen Jahren nahezu vollständig entsiegelt. Heute sorgen Rigolen, Mulden und begrünte Flächen dafür, dass Regenwasser direkt vor Ort vom Boden aufgenommen werden kann. Für den Bau der Rigolen mussten teilweise mehr als drei Meter Asphalt, Schutt, Beton und sogar altes Kopfsteinpflaster entfernt und durch neuen, wasserdurchlässigen Boden ersetzt werden.
Die Schule zeigt eindrucksvoll, wie das Schwammstadt-Prinzip in der Praxis funktioniert: Regenwasser wird nicht mehr in die Kanalisation abgeleitet, sondern dort aufgenommen und gespeichert, wo es fällt. Das entlastet die Kanalisation bei Starkregen, schützt vor Überflutungen und hilft gleichzeitig dabei, die Umgebung an heißen Tagen zu kühlen. Gerade in einer wachsenden Stadt wie Berlin sind solche Maßnahmen ein wichtiger Baustein, um besser mit den Folgen der Klimakrise umzugehen.
Die Entsiegelung hat zudem die Aufenthaltsqualität auf dem Schulgelände deutlich verbessert. Wo früher Asphalt dominierte, gibt es heute Grünflächen, schattige Bereiche und mehr Raum für Naturerfahrungen und Begegnungen.
Auch das Schulgebäude wurde energetisch saniert. Seit der Dämmung und den Entsiegelungsmaßnahmen auf dem Hof ist ein deutlicher Temperaturunterschied spürbar. Außenjalousien helfen dabei, die Räume im Sommer kühl zu halten. Eine Solaranlage auf dem Dach erzeugt klimafreundlichen Strom und senkt den Energieverbrauch der Schule. Der Hort wurde als Stroh-Lehm-Haus errichtet und verbindet nachhaltige Baustoffe mit einem angenehmen Raumklima. Eine extensive Dachbegrünung trägt zusätzlich zur Regenwasserrückhaltung, Kühlung und Förderung der Artenvielfalt bei.
Besonders beeindruckt hat mich, dass die Pflege der Anlagen ebenfalls zu großen Teilen in den Händen der Lehrkräfte und Schulkindern liegt. So wird Umweltschutz nicht nur vermittelt, sondern ganz praktisch erlebt und gestaltet.
Solche Projekte dürfen keine Ausnahme bleiben, sondern müssen in großem Stil ausgerollt werden. Bund, Länder und Kommunen müssen die Entsiegelung von Flächen, die Regenwasserrückhaltung und die klimaresiliente Sanierung öffentlicher Gebäude stärker fördern. Gerade Schulen und Kitas können Vorreiter einer Schwammstadt werden: Sie schützen vor den Folgen von Hitze und Starkregen, schaffen bessere Lernbedingungen und machen Klimaanpassung für Kinder und Jugendliche unmittelbar erlebbar.
Vielen Dank für die Tour und viel Erfolg bei weiteren Projekten!