Kürzlich ist vor meinem Haus ein Rettungshubschrauber gelandet. Der Lärm war ohrenbetäubend und mein zweijähriges Kind und ich haben dem windigen Spektakel begeistert zugeschaut. Normalerweise ist das laute Rotorgeräusch ja weit weg über den Dächern, auf dem Weg zu jemandem, der oder die gerade dringend Hilfe braucht. Umso schöner war es, gemeinsam mit meinem Kollegen Dr. Janosch Dahmen die Luftrettungsstation Christoph 100 in Berlin-Buch zu besuchen – und den Hubschrauber ganz nah zu erleben. Ich durfte mich sogar reinsetzen:)
Berlin verfügt über drei Rettungshubschrauberstationen: Christoph 31 in Berlin-Steglitz, Christoph Berlin in Berlin-Marzahn – und seit dem 2. Januar 2024 eben Christoph 100 in Berlin-Buch in meinem Wahlkreis Pankow.
Betrieben werden die Stationen von der DRF Stiftung Luftrettung gemeinnützige GmbH, die dabei mit der Berliner Feuerwehr und dem Bundeswehrkrankenhaus Berlin Hand in Hand arbeiten. Die Pilot:innen kommen von der DRF, das medizinische Personal – Notärzt:innen und Notfallsanitäter:innen – stellen Feuerwehr und Bundeswehrkrankenhaus je zur Hälfte. Disponiert wird über die Leitstelle der Berliner Feuerwehr. Das sind drei sehr unterschiedliche Institutionen, die hier ein hochfunktionales gemeinsames System aufgebaut haben.
Der Hubschrauber selbst ist ein Airbus H145: modern und vollgepackt mit Technik. Er ist täglich von 6 bis 22 Uhr einsatzbereit. Seit Januar 2025 hat er außerdem als erstes ziviles Luftrettungsmittel in Berlin eine Rettungswinde mit 90 Meter Seillänge. Die ermöglicht es, Menschen auch dort zu erreichen, wo der Heli nicht landen kann: in unwegsamem Gelände – zum Beispiel im Wald – oder in dicht bebauten Gebieten – wie etwa in Rahnsdorf oder Frohnau –, wo kein geeigneter Landeplatz in der Nähe ist.
Wir hatten Glück, den Hubschrauber zu Gesicht zu bekommen: Während wir uns mit den Mitarbeitern unterhielten, kam der Hubschrauber von einem Einsatz zurück und wir hatten 45 Minuten Zeit, uns mit der Crew auszutauschen und Christoph 100 anzuschauen, bevor er zu seinem nächsten Einsatz aufbrechen musste. Innerhalb von zwei Minuten nach Eingang des Alarmrufs war er in der Luft. Zwei Minuten. Das ist nicht selbstverständlich. Das ist das Ergebnis von sehr guter Planung, Training, Routine. Und – wie mir schien – echter Leidenschaft für den Job.
Genau das hat mich wirklich beeindruckt: mit welcher Begeisterung die Menschen dort von ihrer Arbeit erzählt haben. Wie viel Energie und Ideen sie darein stecken, Abläufe zu optimieren, um die Versorgung für Patient:innen immer weiter zu verbessern.
Im Jahr 2025 hat Christoph 100 2.421 Einsätze geleistet — fast ausschließlich in der Notfallrettung. Die Rettungswinde wurde dabei 77 Mal eingesetzt. Zum Vergleich: 2024 waren es rund 2.056 Einsätze. Die Nachfrage wächst, die Station wächst mit.
Janosch Dahmen ist gesundheitspolitischer Sprecher unserer Fraktion und Notfallmediziner – und er hat diese Luftrettungsstation in seiner vorherigen Funktion mit geplant. Solche Besuche sind für uns keine Pflichtveranstaltungen, sondern der Versuch zu verstehen, wie das Gesundheitssystem in der Praxis funktioniert und wo es Unterstützung braucht. Luftrettung, Notfallversorgung, die Frage wie öffentliche Daseinsvorsorge organisiert und finanziert wird — das sind Themen, die auch im Bundestag verhandelt werden.
Auch als Oppositionspartei können wir hier etwas tun: wir schauen genau hin, stellen Fragen und treten für eine gute, nachhaltig finanzierte Notfallversorgung ein.
Der Name Christoph für den Rettungshubschrauber stammt übrigens vom Schutzpatron der Reisenden Christopherus. Gute Reise, also, Christoph 100! Danke an das Team für den offenen und herzlichen Empfang. Und für euren wichtigen Job!